15. - 16. Oktober 2016 13. Bottwartal-Marathon

Bestes Läuferwetter, frühmorgens noch fingerfrostend. Schon von weitem war der spätere Zieleinlauf am "Steppi" zu sehen und zu hören. Weil die Marathonis schon um 9:30 gestartet waren, war um das rostige Gerippe des Urwelt-Elefanten auf dem Kreisel an der Murrer Straße in Steinheim herum schon viel los. Die Mutigsten liefen sich schon in kurzen Hosen warm, zur strahlenden Sonne auch die entsprechenden Temperaturen erwartend.
Der Halbmarathon beginnt aber in Gronau. Dorthin brachten uns Busse, die wegen der gesperrten einen Strecke ordentlichen Umweg nahmen. Der Vorteil war aber, dass wir in den 20 Minuten für den Lauf nochmal so richtig teils spätsommerlich grün, stellenweise schon herbstlich goldbraun, geschmückte Landschaft "tanken" konnten, besser als Pasta-Party.
 
Am Start hatten wir noch kurz Gelegenheit, einen kleinen Blick in die Zukunft zu tun und unserem späteren „Ich“ beim Kämpfen zuzugucken. Aus der Gegenrichtung kamen nämlich schon die ersten Marathonis, die jetzt bereits die Hälfte hinter sich hatten. Das Glück, von uns mit freudigem Applaus begrüßt zu werden, hatten aber nur die ersten paar. Denn ihnen liefen wir von nun an quasi hinterher.
 
Der ordentliche Rums und die dicke Qualmwolke des Startschusses stammten vom Gronauer Bürgermeister, genauer gesagt: aus einem Vorderlader. Zuvor hatte der Steinheimer Startsprecher noch ausführlich die Gronauer für ihre stets überschwängliche Begeisterung und ihre unverwüstlichen Anfeuerungen beneidet, beinahe sogar beschimpft. Diese ungewöhnliche Art, Lob zu spenden, war entweder jedem Einwohner grad so wurscht oder hat umso mehr Wirkung gezeigt. Jedenfalls hat der Mann uns nicht zu viel versprochen.
Ich gestehe es ja: ein "Zugpferd" ist für mich schon was Feines. Pacemaker waren aber dünn gesät. Es gab sie nur für jede Viertelstunde. Die Qual der Wahl für mich hieß also: sollte ich dem 1:45er den Buckel küssen oder der 2:00er mir? Frisch gewagt ist halbes Seitenstechen..., also Ersteres.
 
Die ersten 10 km konnte ich das Tempo gut mithalten. Ich staune jedes Mal, wenn ich das mit meinen Hausstrecken vergleiche, auf denen ich nur schwerlich besser als 6:00 bin. Bis dahin hatten wir Gronau ins Grüne hinaus verlassen, waren wieder zurück und über Beilstein bis Oberstenfeld gelangt. Die Sonne wärmte immer mehr, stand aber immer noch so tief, dass getönte Gläser sehr zu empfehlen waren, nicht nur, um die Landschaft zu genießen. Burg Hohenbeilstein hatten wir wegen der "eingebauten" Schleifen gleich zweimal vor uns im Blick. Allmählich entschwand der kleine rote Luftballon mit 1:45 aus meinem Gesichtsfeld. Aber halb so wild. Hauptsache blasenfrei laufen. 
 
Auch bei km 15, bis dahin hatten wir schon das Kleine hinter uns und waren schon im Großen Bottwar, spielte wieder einmal eine der vielen Bands am Straßenrand, und der Drummer haute ordentlich auf die Pauke. Ich hätte ihn (oder wars eine Sie?) küssen mögen: Er als einziger traf mit seinem rollenden Dreiertakt rrrum-dum-dum, rrrum-dum-dum genau meinen Rhythmus. "Den noch bis zum Ende durchhalten, das wär’s jetzt!" Dieser rezeptfreie Stimmungsaufheller hielt immerhin einen ganzen Kilometer lang, bis in die Ortsmitte. Und bis zur nächsten Band, deren Takt ... bääh.
 
Wenig später, irgendwo zwischen ein paar Lagerhallen, die manche Laufkollegen nicht wirklich nötig fanden - "da ist das Bottwartal so schön und wir laufen auch noch  h i e r  rum!" - sah ich unseren Zugläufer doch noch einmal wieder. Leider war es nicht deshalb, weil ich etwa inzwischen schneller geworden wäre - das merkte ich auch ohne Blick auf die Uhr -. Vielmehr: Er hatte zwar seine Armbinde noch, aber ihm fehlten inzwischen Luftballon und Puste.  
 
Und, was soll ich sagen, die restlichen Kilometer waren irgendwie länger als die davor, ihr kennt das vielleicht. Irgendwann verengt sich die Umgebung zu einem Tunnel aus überraschend welligem Asphalt, sinnlosen grünen Vorgärten, schiefen Hausfassaden, undeutlichem Lachen, Klatschen, Rufen, dröhnenden Lautsprechern. Die Landschaft kann dann so schön sein wie sie will, sie wird einem sch...egal.
 
Kurz vor Steinheim kamen noch einmal diejenigen auf ihre Kosten, die sich von Anfang an besser "bedeckt gehalten" und "verschalt" hatten. Direkt am Ufer der Bottwar, im Schatten, drückte der Herbst das Thermometer für einige Meter doch noch auf gefühlte Null Grad. Da schauten wir, dass wir nochmal die Beine in die Hand nahmen.  
 
Der Zieleinlauf schließlich, der Feigling, hatte sich irgendwo hin verkrochen, gefühlt immer weiter weg. An seiner Statt hatten sich diese übergroßen Fußballtore aus Gummi vor uns aufgeblasen, die ebenso unvermeidlich sind, wie auch unvermeidlich vorlaute Halbstarke stets zu mehreren auftauchen. Sie schienen zu grinsen: "Hasch mich doch, wer von uns ist der Richtige?"
 
Am Ende reichte es mir zwar noch zu einem Endspurt. Aber viel zu kurz. Meinem Ehrgeiz fehlte eine ganze Minute. Die hab ich unterwegs wohl irgendwo auf der Strecke gelassen. Nächstes Jahr gehe ich sie suchen. Versprochen."
 
Thomas lief bei 01:51:02 ins Ziel!
 
Herzlichen Glückwunsch
 
 
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